Ein paar Worte über den Solidaritätsfonds für die finanzielle Unterstützung der gefangenen und verfolgten KämpferInnen

Wir erleben einen Prozess der intensiven sozialen Transformation, eine wilde Umstrukturierung des Kapitalismus. Alles, sowohl was die ArbeiterInnen durch Kämpfe gewonnen haben, als auch der künstliche Wohlstand und die Konsumgewährung, die nach der  Metapolitefsi die soziale Zustimmung gewonnen haben, verschwindet. Das alles führt natürlich zur sozialen Polarisierung. Die Bedingungen, unter welchen der Klassenkampf stattfindet, kehren zu dem vorherigen zurück und die Bedingungen, die uns umgeben, scheinen aus anderen postbürgerlichen und des „Gypsenepochen“ zu kommen. Sowie auch damals ist heute wieder die Unterdrückung das Hauptinstrument des Regimes, um Akzeptanz zu erzwingen. Im allgemeinen zielt die Repression darauf, die Kontrolle der Gesellschaft bzw. ihre mögliche Abhebung zu haben, trotzdem wendet sie sich besonders gegen die radikale Szene wegen ihrer Gefährlichkeit, da sie als eine notwendige aber nicht immer ausreichende Bedienung als einer Zünder der sozialen Wut wirkt .Außerdem bezeugt immer diese Szene ohne irgendwelche Illusionen die Realität des sozialen Krieges und nimmt die entsprechende Kämpfe auf sich. Deswegen zielen auch die neuen Bedingungen der Repression auf diese Szene, d.h. die dichte Netzwerke der Überwachung und der Verfolgung, höhere Niveaus der Strafstrenge, ein systematischer Umstand von Geiselhaft  Die Zahl der gefangenen Kämpfer erhöht sich graduell und ist höher als je in den Jahren nach der  Metapolitefsi.

Die Umstände sind zwar schwer, können sich aber gleichzeitig als günstig für die revolutionäre Perspektive entwickeln. Dennoch sollen alle, die die Möglichkeiten dieser Umstände erkennen können, nicht Zuschauer dieser Prozedur sein sondern seinen Sturz organisieren. Aber die Organisation bringt mit sich die Schaffung von materiellen Infrastrukturen und die Entwicklung von Strukturen, die sich mit wirklichen Problemen konfrontieren müssen. Da viele GenossenInnen in Gefängnis sitzen und leider stets neue ins Gefängnis gebracht werden, ist ihre verantwortliche und ständige Unterstützung mehr als notwendig.  Außer irgendeine Aktionen für ihre politische Unterstützung und Förderung ihrer Fälle soll diese Solidarität auch materiell gezeigt werden. Die Schaffung nämlich einer Struktur, welche die Voraussetzungen für ein würdevolles Überleben unserer GenossenInnen stellt, abseits von den engen Grenzen der persönlichen Verhältnissen und auf der Basis einer kollektiven Dynamik mit revolutionären Eigenschaften, ist notwendig. Solidarität ist außerdem ein Verhältnis, in dem wir die gegenseitige Anerkennung und Absicht zur Kommunikation verlangen.

Die Diskussionen über die Schaffung dieser Struktur haben nach einer Initiative von Genossen in Athen im Sommer 2010 angefangen. Hauptziel des Fonds war von Anfang an die Deckung der tatsächlichen Lebensbedürfnisse sowohl der gefangenen Kämpfer als auch die einiger kämpferischen Gefangenen, mit denen sich echte Beziehungen entwickelt haben und die selber aktuell und ständig an Kämpfen innerhalb den Mauern teilnehmen. Finanzielle Unterstützung bekommen diejenigen Genossen, die einerseits wegen ihrer Teilnahme an Sozialkämpfen, ihrer revolutionären Wahlen oder ihrer umstürzlerischen Taten festgenommen oder verfolgt werden und die anderseits sich selbst auf solche Weise verteidigen, welche ihre Haltung bzw. Stellung als Teil einer Bewegung bestätigt. Eine Bewegung, die gegen die Brutalität und die Entfremdung auf verschiedene Weise und durch unterschiedliche wegen mit jeden Mittel kämpft. Finanzielle Unterstützung bekommen auch manche Beschuldigte der 17.Novemner, die gefangen sind und seit 2002 in einer speziellen Abteilung vom Gefängnis Korydallos inhaftiert sind, und die eine kämpferische Haltung und ein Interesse an Kommunikation gezeigt haben. An dieser Stelle sollte es erwähnt werden, dass aus verschieden politischen oder persönlichen Gründen manche von den GefangenInnen die Entscheidung getroffen haben, an dem Fond nicht teilzunehmen und von dem Fond nicht unterstützt zu werden Ohne dass wir nach einer Identifizierung streben, erkennen wir, dass alle, die gegen das bestehende soziale System mit umstürzlerischen Absichten kämpfen, Recht, zwar nicht auf unsere grenzlose Annahme, aber auf unsere aufrichtige Unterstützung haben. Darüber hinaus ist ein gemeinsamer Wunsch die Verbreitung der Äußerungen der Gefangenen zu unterstützen, was mit der Herausgabe der Broschüre „Stürzt die Bastille“, die ausschließlich aus ihren eigenen Texten besteht. Auf dieser Basis hat also die dauerhafte Funktion des Fonds angefangen.

Durch das zweijährige  Bestehen des Fonds konnten dutzende von eingesperrten KämpferInnen den Alltag im Knast aushalten. Auch wenn die Zahl der politischen Gefangenen sich im Gegensatz zu 2010 erneut verringert hat, gibt es GenossenInnen, die ihre Strafen verbüssen und das Allernotwendigste

brauchen. Gleichzeitig gibt es die polizeiliche und der rechtliche Repression mit  Verhaftungen und Untersuchungshaft. Folglich hat der Solidaritätsfonds für die finanzielle Unterstützung der gefangenen

KämpferInnen eine grosse Bedeutung. In der letzten Zeit kommt es durch die extreme Repression mit  zahlreichen Verhaftungen und Verfolgungen von Menschen, die sozial und politisch aktiv sind, zu finanziellen Belastung durch die Stellung  von Kautionen um die Untersuchungshaft zu verringern. Darum haben sich GenossInnen an den Solidaritätsfond gewandt und um Unterstützung gebeten. Die Versammlung des Solidaritätsfond war oft  damit konfrontiert. Ein Teil des Geldes, das für die Gefangenen gespendet wurde, konnte nur vorläufig die Kautionen der Verfolgten decken… Der Gedanke Kautionen zu stellen, um die Zahl der Gefangenen zu verringern, ist  vernünftig. Dennoch ist die (finanzielle) Realität für uns alle unerbittlich. Auch wenn es schwierig ist, können wir manche  Genossen bei der Stellung von Kautionen nicht finanziell zu unterstützen, weil  jeden Monat die Unterstützungen für die Gefangenen überwiesen werden müssen, die eine vielfache unerbittliche Realität durchleben. Die Gefangenen können  nicht im Stich gelassen werden, aber auch die Kautionen der Kämpfer nicht ignoriert werden. Deshalb hat die Vollversammlung des Fonds sich entschieden, einen  parallelen Fond einzurichten. In diesem zweiten Fond werden  sich 10% der monatlichen Abgaben ansammeln. Er wird nur Kosten decken, die aus  massiven Verhaftungen und Verfolgungen entstehen. Selbstverständlich als rückzahlbares  Darlehen, um möglichst vielen diese Hilfe bieten zu können. Damit soll verhindert werden, dass große Fälle zulasten von kleineren gehen. Es ist für kleine Gruppen von GenossInnen  und Kollektive schwierig, genug Geld zu sammeln. Das als Hinweis, wenn GenossInnen nur für den zweiten Fonds spenden wollen, muss man es akzeptieren.

Dennoch hat dieses Projekt noch mehr Perspektive. Falls die Dynamik dieser Struktur sich entwickelt und unter die Voraussetzung, dass die Zahl der Personen, die diese Struktur unterstützen, sich vermehrt, wollen wir auch solche Ziele erreichen, wie nämlich die Deckung von Prozessausgaben und Kautionen (vorausgesetzt dass dies zurückgegeben werden nach der Verfolgung bzw. Verfahren) nicht nur von den schon gefangenen GenossenInnen sondern auch von denen, die wegen ihrer Teilnahme an sozialen Kämpfen bestraft werden ohne dass das gleichzeitig Gefängnis heißt. Wir wollen noch den Kreis der Unterstützten mit der Aufnahme mehr kämpfender Gefangenen erweitern, deren Straftaten nicht unserem Wert-Kode widersprechen und gleichzeitig zeichnet sich ihre Haltung in der Gefangenschaft durch Würde und Kampfbereitschaft ab. Zum Schluss wäre es für uns interessant, eine Verbindung mit Ausländern, die in Konzentrationslagern gehalten worden sind und die wegen ihrer kämpferischen Haltung verfolgt worden sind.

Die ganze Struktur basiert auf die Funktion autonomer Versammlungen, welche geografisch bestimmt worden sind. Alle Versammlungen sind offen, funktionieren waagerecht und all die Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. GenossInnen von jeder Versammlung nehmen an der generellen Koordination der Versammlung in ganz Griechenland teil, die hauptsächlich in Athen stattfindet (manchmal dennoch auch in anderen Städten, wenn es die Möglichkeit dafür von denjenigen Versammlungen gibt). Gleichzeitig gibt es auch kleinere bzw. Untergruppen, eine, die den Blog https://tameio.espivblogs.net/ verwaltet, wo es, betreffende mit der Fälle der GefangenenInnen, Infos gibt, eine andere, welche die Bearbeitung der Broschur „Stürzt die Bastille“ unternimmt und eine, die sich für die Beiträge für des Fonds verantwortet.

Die Beiträge, die jeden Monat gesammelt werden, kommen von regelmäßigen Einzel-oder/und Gesamt- Spenden, von gemeinsamen Initiativen wie z.B. Konzerte oder Veranstaltungen. Positiv gesehen sind auch parallele Initiativen wie z.B. die Herausgabe und die Verteilung von Büchern und anderen Broschüren mit politischem Inhalt, deren Wert nur für die Deckung der Herausgabe und die Unterstützung des Fonds bestimmt ist.

Der Solifonds  für die finanzielle Unterstützung der Gefangenen und verfolgten KämpferInnen wurde nicht mit dem Ziel gebaut, andere für bestimmte Fälle gebaute, Initiativen zu ersetzen. Dieser Fond will nicht ein Gegensatz zu anderen ähnlichen Strukturen sein sondern Kommunikationsbeziehungen und Koordination mit diesen schaffen. Außerdem will der Fond weder das Monopol der Solidarität noch die Aktionsmöglichkeiten der Teilnehmer bestimmen, da wir seine Rolle nur als noch ein Teil bzw. Werkzeug des gemeinsamen Kampfes und nicht als Selbstzweck verstehen. Im Gegenteil hoffen wir, dass es einen Vorschlag für den Kampf und die Organisierung darstellt, der sich dialektisch zu anderen, zur Zeit notwendigen, Strukturen entwickelt.

                                                                                                                                                                         Dezember 2012

Weitere Informationen über die Aktivitäten des Solidaritätsfonds findet

Ihr bei https://tameio.espivblogs.net

Es gibt ein Postfach

Τ.Θ.1571

Τ.Κ.54006

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